Schön,

                   dass Sie bei

                   uns

                   vorbeischauen.

Das Motto unserer Gemeinschaft

 

Gut, dass wir einander haben,

gut, dass wir einander sehn,

Sorgen, Freuden, Kräfte teilen

und auf einem Wege gehn.

Gut, dass wir nicht uns nur haben,

dass der Kreis sich niemals schließt

und dass Gott, von dem wir reden,

hier in unsrer Mitte ist.

Manfred Siebald

 

Wer mehr erfahren möchte ist herzlich Willkommen!

 

Unsere Website bietet....

 

Einen Überblick über das aktuelle Gemeinschaftsgeschehen

Veranstaltungen zum kommen, mitfeiern und miterleben

Gelegenheit zum verweilen, zuhören, nachdenken und entschleunigen

christliche Impulse zum kirchlichen Jahreslauf,

laufende Aktualisierung. 

 

 

Christliche Freiheit – verständlich erklärt (nach Paulus, heute)

 

Wenn Paulus im Galaterbrief schreibt:

Zur Freiheit hat uns Christus befreit!

So steht nun fest und lasst euch nicht wieder

das Joch der Knechtschaft auflegen!(Gal 5,1)

 

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“

 

dann meint er nicht politische, wirtschaftliche

 

oder gesellschaftliche Freiheit.

 

Er meint eine geistliche Freiheit, die im Innersten des Menschen beginnt.

Diese Freiheit ist nicht zuerst eine äußere Freiheit –

sie ist eine innere Befreiung.

 

1. Christliche Freiheit heißt: frei von dem,

was uns von Gott trennt

 

Paulus sagt: Der Mensch ist von Natur aus gebunden – nicht an Ketten, sondern an Kräfte in ihm selbst:

  • an Schuld, die er nicht loswird

  • an alte Muster, die ihn festhalten

  • an Angst, nicht zu genügen

  • an das ständige Müssen und Leisten

  • an das Gefühl, sich selbst retten zu müssen

Christus befreit von diesem inneren Druck.

 

Er nimmt die Last weg, die uns niederdrückt.

 

Er sagt: Du musst dich nicht selbst rechtfertigen.

 

Ich trage dich.

Das ist der Kern der christlichen Freiheit:

Ich darf vor Gott sein, ohne mich beweisen zu müssen.

 

2. Christliche Freiheit heißt: frei vom Gesetz

– aber nicht gesetzlos

 

Paulus meint mit „Gesetz“ nicht unsere heutigen Gesetze,

sondern religiöse Gesetze, und Zwänge die sagen:

  • Du musst alles richtig machen.

  • Du musst perfekt sein.

  • Du musst Gott gefallen, sonst bist du verloren.

Christus befreit von diesem religiösen Druck. Nicht, indem er das Gute abschafft – sondern indem er die Angst nimmt.

Paulus sagt: Nicht das Gesetz rettet, sondern Christus.

Das bedeutet: Ich tue das Gute nicht mehr aus Angst und Druck,

sondern aus Liebe.

Ich lebe nicht mehr unter einem Zwang,

sondern aus einer neuen inneren Kraft.

 

3. Christliche Freiheit heißt: frei für ein neues Leben

 

Paulus spricht nicht nur von dem, wovon wir frei sind,

sondern auch wozu wir frei werden:

  • frei, Gott zu vertrauen

  • frei, anderen zu dienen ohne Angst, zu kurz zu kommen

  • frei, Fehler zuzugeben

  • frei, neu anzufangen

  • frei, zu lieben

  • frei, zu vergeben

  • frei, zu hoffen

Christliche Freiheit ist also keine Freiheit von Verantwortung,

sondern eine Freiheit zur Liebe.

Paulus fasst es so zusammen:

„Ihr seid zur Freiheit berufen…

dient einander durch die Liebe.“ — Galater 5,13

Christliche Freiheit ist immer beziehungsorientiert.

 

Sie führt nicht in Egoismus, sondern in Gemeinschaft.

 

4. Christliche Freiheit heißt: frei von Angst vor dem Tod

 

Paulus sagt im Römerbrief (Kapitel 6–8):

Christus befreit von der Macht des Todes.

Das bedeutet: Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort.

Er ist nicht mehr der große Schrecken. Er ist nicht mehr das Ende.

Wer Christus gehört, ist frei von der Angst, dass alles sinnlos ist.

Frei von der Angst, dass das Leben vergeblich war.

Frei von der Angst, dass Gott fern ist.

Diese Freiheit trägt – auch in schweren Zeiten.

 

5. Christliche Freiheit heute – ganz praktisch

 

Was bedeutet das für uns heute?

  • Ich muss mich nicht über Leistung definieren.

  • Ich muss mich nicht mit anderen vergleichen.

  • Ich muss mich nicht selbst retten.

  • Ich darf Fehler machen und neu anfangen.

  • Ich darf mich von Gottes Liebe bestimmen lassen,

  • nicht von Erwartungen anderer.

  • Ich darf Nein sagen, wenn etwas mich zerstört.

  • Ich darf Ja sagen, wenn Gott mich ruft.

  • Ich darf frei werden von inneren Stimmen, die mich klein machen.

  • Ich darf frei werden von Schuld, die ich nicht tragen kann.

  • Ich darf frei werden von Angst, die mich lähmt.

 

Christliche Freiheit ist eine Freiheit des Herzens.

 

Sie beginnt dort, wo Christus sagt:

Du bist mein.

Du bist frei.

Du musst dich nicht mehr selbst tragen.

Alle alle eure Sorgen weft auf mich, ich sorge für Euch.

 

Unser Gott wandte

den Fluch

in einen Segen.

Nehemia 13,2

Herr, wir kommen zu Dir mit Herzen,

die schwer geworden sind

und doch nicht ohne Hoffnung.

Wir sehen unser Land, das Land, in dem wir leben,

arbeiten, lieben, hoffen und Verantwortung tragen.

 

Ein Land, das Du getragen hast,

durch Schuld und Krieg,

durch Wiederaufbau,

durch Jahrzehnte des Friedens

und des Segens.

 

Und jetzt sehen wir, wie vieles zerbricht.

 

Wie Menschen müde werden.

Wie Wahrheit verschwimmt.

Wie Verantwortung verloren geht.

Wie die Schwachen übersehen werden.

Wie die Alten vergessen werden.

Wie die Pflege erschöpft ist.

Wie die Politik sich im Kreis dreht.

Wie die Kirche ihre Stimme verloren hat.

 

Herr, wir tragen dies nicht aus Zorn,

sondern aus Liebe.

 

Wir tragen es nicht aus Überheblichkeit,

sondern aus Sorge.

 

Wir tragen es nicht aus Angst,

sondern aus Sehnsucht.

 

Darum bitten wir Dich:

 

Gib unserem Land wieder ein Herz,

das Dich sucht.

 

Gib uns Klarheit, wo wir verwirrt sind.

Gib uns Demut, wo wir uns selbst erhöhen.

Gib uns Wahrheit, wo wir uns verlieren.

Gib uns Mut, wo wir resignieren.

Gib uns Liebe, wo wir hart geworden sind.

 

Herr, wir legen Deutschland in Deine Hände.

Nicht als politisches Projekt,

sondern als Volk, das Du kennst.

Als Menschen, die Du liebst.

Als Geschichte, die Du geführt hast.

 

Als Zukunft, die Du noch schreiben kannst.

Und wir legen auch uns selbst in Deine Hände.

Unsere Müdigkeit.

Unsere Sorge.

Unsere Sehnsucht.

Unseren Blick auf dieses Land.

 

Unsere Herzen, die manchmal zu viel sehen

 und doch nicht wegsehen können.

 

Herr, halte uns fest.

Halte unser Land fest.

Halte uns alle fest.

Denn Du bist der Gott, der nicht loslässt.

Der ruft.

Der heilt.

Der erneuert.

Der trägt.

 

                                      Amen.

 

 

Deutschland: Eine Polemik 

 

wir , wir leben in einer Zeit, in der Deutschland nicht bedroht wird — sondern einschläft.

Nicht durch Feinde. Nicht durch Eroberer. Sondern durch Selbstverleugnung, Selbstvergessenheit, Selbstentkernung.

Und genau in diese Müdigkeit hinein ruft Johann Walter im Jahr 1561:

„Wach auf, wach auf, du deutsches Land! Du hast genug geschlafen…“

Dieser Ruf ist heute aktueller als damals.

I. Wien 1683 – Die geistliche Klarheit Europas

Als Kara Mustafa vor Wien stand, war Europa nicht nur militärisch bedroht. Es war geistlich herausgefordert.

Der polnische König Johann III. Sobieski schrieb nach der Schlacht:

„Veni, vidi, Deus vicit.“ Ich kam, ich sah, Gott siegte.

Sobieski verstand: Europa verteidigte nicht nur Mauern — Europa verteidigte seine Seele.

Er wusste: Eine Kultur, die Gott vergisst, verliert ihre Kraft. Eine Nation, die ihre geistliche Mitte verliert, verliert ihre Zukunft.

Und so ruft Walter 1561 — prophetisch, warnend, wachrüttelnd:

„Bedenk, was Gott an dich gewandt… wozu er dich erschaffen.“

Deutschland hat vergessen, wozu es erschaffen wurde.

II. Die Nachkriegsrepublik – Adenauer und die geistliche Angst

Nach 1945 war Deutschland gebrochen. Die politische Elite wollte alles vermeiden, was nach Identität roch.

Konrad Adenauer sagte:

„Wir wollen keine Experimente.“

Doch das größte Experiment begann genau dann: Das Experiment, ein Land ohne geistliche Mitte zu bauen. Ein Land ohne kulturelle Selbstachtung. Ein Land ohne geistliche Erinnerung.

Adenauer wollte Stabilität — doch die geistliche Grundlage blieb unberührt, unbenannt, unbewusst.

Deutschland wurde politisch stark, aber geistlich schwach.

III. Brandt – Die moralische Überhöhung ohne geistliche Tiefe

Willy Brandt kniete in Warschau. Eine große Geste. Eine menschliche Geste.

Doch sie wurde zur geistlichen Fehlinterpretation: Man glaubte, man müsse sich moralisch klein machen, um geistlich groß zu wirken.

Brandt sagte:

„Wir wollen ein Volk guter Nachbarn sein.“

Doch ein Volk, das sich selbst nicht kennt, kann kein guter Nachbar sein.

Johann Walter ruft genau in diese Haltung hinein:

„Die Wahrheit wird jetzt unterdrückt… die Lüge wird gar fein geschmückt…“

Brandts moralische Geste wurde zur geistlichen Selbstverkleinerung.

IV. Schmidt – Der letzte Kanzler mit geistlicher Klarheit

Helmut Schmidt war kein Theologe. Aber er hatte geistliche Nüchternheit.

Er sagte:

„Die multikulturelle Gesellschaft ist eine Illusion von Intellektuellen.“

Und:

„Wir können nicht beliebig viele Menschen aus fremden Kulturen integrieren.“

Schmidt sprach nicht gegen Menschen. Er sprach gegen geistliche Naivität.

Er wusste: Eine Gesellschaft ohne geistliche Mitte kann Vielfalt nicht tragen. Sie zerbricht daran.

Schmidt warnte — doch Deutschland war schon müde geworden.

V. Merkel – Die geistige Sedierung eines Landes

Angela Merkel sagte:

„Wir schaffen das.“

Doch dieser Satz war kein Ruf. Er war ein Sedativum.

Er beruhigte. Er betäubte. Er nahm die geistliche Spannung aus einem Land, das längst aufgewacht sein müsste.

Währenddessen ruft Johann Walter:

„Wach auf, Deutschland, ’s ist hohe Zeit…“

Doch Deutschland schlief weiter.

Unter Merkel wurde Deutschland postnational, aber vor allem postgeistlich.

Die christlichen Feste wurden umbenannt. Die Traditionen relativiert. Die geistliche Sprache verbannt. Die kulturelle Seele entkernt.

Nicht der Islam hat das getan. Nicht muslimische Mitbürger. Sondern eine Politik, die glaubte, man könne ein Land ohne geistliche Mitte führen.

VI. Die geistliche Wahrheit – die niemand aussprechen will

Sobieski verteidigte Wien, weil er wusste, dass Europa eine geistliche Seele hat.

Kara Mustafa griff Wien an, weil er glaubte, Europa sei geistlich müde.

Adenauer baute Deutschland auf, aber ohne geistliche Identität.

Brandt moralisiert die Republik, aber ohne geistliche Tiefe.

Schmidt warnte, aber niemand hörte.

Merkel sedierte das Land, und Deutschland schlief ein.

Johann Walter ruft:

„Die Axt ist angesetzt… die Straf ist vor der Tür…“

Das ist kein politischer Satz. Das ist ein geistlicher Satz.

Deutschland steht nicht vor einer Eroberung. Deutschland steht vor einer geistlichen Entscheidung:

Aufwachen oder verschwinden.

VII. Der Ruf – heute, jetzt, in dieser Stunde

„Wach auf, wach auf, du deutsches Land!“

Dieser Ruf ist kein nationalistischer Ruf. Er ist ein geistlicher Ruf.

Ein Ruf an die Seele eines Landes, das Gott vergessen hat. Das seine Geschichte vergessen hat. Das seine geistliche Mitte verloren hat.

Deutschland braucht keine Feindbilder. Deutschland braucht Erinnerung. Deutschland braucht Buße. Deutschland braucht geistliche Klarheit. Deutschland braucht Wachheit.

Deutschland braucht — wie Walter singt:

„Herr Jesu Christe, hilf uns nu’ und gib uns deinen Geist dazu…“

 

Dank-, Buß- und Fürbittegebet zum Tag der Deutschen Einheit

 

Großer Gott,

 

wir treten vor dich in Dankbarkeit und Demut.

Heute erinnern wir uns an die Wiedervereinigung Deutschlands.

Vor sechsunddreißig Jahren hast du unserem Volk die Gnade geschenkt,

dass Mauern fielen, Grenzen überwunden wurden

und Menschen wieder zusammenfinden konnten.

 

Viele haben dies als Wunder erlebt, als ein Geschenk deiner Güte und Führung.

Dafür danken wir dir.

Doch zugleich müssen wir bekennen,

dass unsere Dankbarkeit oft schnell verblasst ist.

 

Was uns in deinem Wort gesagt wurde, haben wir vielfach vergessen:

 

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“

 

Zu oft haben Stolz, Selbstsicherheit und der Glaube an menschliche

Machbarkeit unser Denken bestimmt.

 

Zu oft haben wir so gelebt, als hätten wir dich nicht mehr nötig.

Darum treten wir vor dich mit unserer Schuld.

Mit dem Propheten Daniel sprechen wir:

„Wir haben gesündigt, Unrecht getan, sind gottlos gewesen und abtrünnig

geworden; wir sind von deinen Geboten und Rechten abgewichen.“

 

Wir bekennen nicht nur die Fehler anderer, sondern auch unsere eigenen.

 

Auch wir haben es uns in unserer Bequemlichkeit eingerichtet.

 

Auch wir haben geschwiegen, wo Widerspruch nötig gewesen wäre,

 

und weggesehen, wo Verantwortung gefragt war.

 

Herr, erbarme dich.

 

Wir sehen die Spannungen unserer Zeit.

 

Die Demokratie ermüdet, der gesellschaftliche Zusammenhalt wird brüchiger.

 

Verachtung und Polarisierung nehmen zu.

 

Alte Muster, die wir überwunden glaubten, zeigen sich erneut.

 

Die Ränder werden stärker und die Mitte verliert an Kraft.

 

Herr, erbarme dich.

 

Darum bitten wir dich für unser Land und unser Volk.

 

Lass uns nicht sein, wie es Jesaja ausdrückt:

Dies Volk naht mir mit seinem Munde und ehrt mich mit seinen Lippen,

aber ihr Herz ist fern von mir.

                                        Jesaja 29,13

 

Sende deinen Heiligen Geist neu unter uns.

Erwecke die Herzen zu Wahrhaftigkeit, Verantwortung und Versöhnung.

Schenke Umkehr, wo wir falsche Wege gehen, und Mut, dem Guten zu dienen.

Bewahre uns vor Gleichgültigkeit, vor Anomie und Gesetzlosigkeit, vor Hass,

Gewalt und Krieg.

Stärke alle, die Verantwortung tragen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft

und Kirche.

 

Gib ihnen Weisheit, Besonnenheit und die Bereitschaft,

dem Gemeinwohl zu dienen.

 

Lass uns nach dem Wort des Propheten Jeremia das Beste für unser Land suchen und treu für seine Menschen beten.

 

So danken wir dir für deine Bewahrung in der Vergangenheit,

bitten dich um Vergebung für unsere Schuld in der Gegenwart

 

und vertrauen auf deine Führung für die Zukunft.

 

Durch Jesus Christus, unseren Herrn.

                                          Amen.

 

Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche

doch alle seine Verheißungen!

 

Aller Augen warten auf dich,
und du
gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.        
               Psalm 145,15

und

Matthäus 6,26

Seht die Vögel unter dem Himmel an:
Sie säen nicht, sie ernten nicht,
sie sammeln nicht in die Scheunen;
und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.
Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?

 

mehr als bloße biblische Sprüche

 

George Müller und die Probe auf Gottes Verheißungen

 

Als der Deutsche George Müller Anfang des

19. Jahrhunderts nach England kam, fand er ein Land vor, das von den Folgen der Industrialisierung geprägt war.

In den rasch wachsenden Städten lebten zahllose Menschen in Armut, Wohnungsnot und Perspektivlosigkeit.

Wiederkehrende Choleraepidemien verschärften das Elend.

Viele Kinder verloren ihre Eltern und wurden zu Waisen,

die auf den Straßen um ihr Überleben kämpfen mussten.

 

Müller war von diesen Zuständen tief betroffen.

Doch während viele Menschen darin vor allem ein soziales Problem sahen, bewegte ihn eine andere Frage.

Er fragte sich, ob die Zusagen Gottes, von denen die Bibel spricht,

tatsächlich auch in seiner Zeit noch gültig seien.

Konnte man Gott wirklich vertrauen,

wie es die Propheten, Apostel und die ersten Christen getan hatten? Waren die Verheißungen der Schrift lediglich Erinnerungen an vergangene Zeiten

oder besaßen sie noch immer dieselbe Kraft?

Aus dieser Frage heraus reifte in ihm ein ungewöhnlicher Entschluss.

Er wollte die Zusagen Gottes ernst nehmen und sein Leben darauf bauen.

Nicht um Gott herauszufordern, sondern um zu zeigen, dass der lebendige Gott auch gegenwärtig handelt.

Als er das Elend der Waisenkinder sah,

begann er in Bristol ein Waisenhaus zu gründen.

Dabei setzte er sich einen Grundsatz:

Er wollte keine öffentlichen Spendenaufrufe machen, keine Bittbriefe versenden und keine Schulden aufnehmen.

Alles, was benötigt wurde, sollte allein im Gebet vor Gott gebracht werden.

 

Für Müller war dies keine menschliche Kühnheit,

sondern die Folge seines Verständnisses der Heiligen Schrift.

Besonders die Worte Jesu aus der Bergpredigt hatten ihn geprägt:

 

„Seht die Vögel des Himmels an:

Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in Scheunen;

und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.

Seid ihr denn nicht viel mehr wert als sie?"

 (Matthäus 6,26)

Ebenso vertraute er auf die Zusage des Psalms:

„Ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung."

 (Psalm 68,6)

 

Müller verstand diese Worte nicht als fromme Bilder, sondern als Wirklichkeit. Deshalb begann er das Werk im Vertrauen darauf,

dass Gott selbst die Verantwortung für die Waisenkinder übernehmen würde.

 

Aus kleinen Anfängen entwickelte sich im Lauf der Jahre ein großes Werk.

Immer mehr Kinder wurden aufgenommen, versorgt und ausgebildet.

Häuser wurden erweitert und schließlich entstanden die bekannten Waisenhäuser von Ashley Down bei Bristol.

Dabei berichtete Müller immer

wieder von Situationen, in denen menschlich gesehen keine Lösung erkennbar war.

Lebensmittel fehlten, notwendige Zahlungen standen bevor oder Bauvorhaben konnten scheinbar nicht fortgeführt werden.

Doch immer wieder traf Hilfe ein, oftmals in Augenblicken,

in denen keine Hoffnung mehr sichtbar schien.

 

Je größer das Werk wurde, desto mehr Kritiker fanden sich.

Viele hielten Müller für einen religiösen Schwärmer.

Andere waren überzeugt, dass seine Arbeitsweise verantwortungslos sei.

Wieder andere beobachteten sein Werk in der Erwartung, dass es früher oder später zusammenbrechen müsse.

Sie warteten auf den Tag, an dem die Vorräte erschöpft,

die Rechnungen unbezahlt und die Waisenhäuser geschlossen werden würden.

Doch Müller reagierte auf diese Stimmen nicht mit Streit

oder Rechtfertigungen.

Er verteidigte sich nicht durch große Worte.

Stattdessen setzte er seinen Weg fort, betete weiter und führte sein Werk gewissenhaft.

Die Antwort auf den Spott sollte nicht durch Argumente erfolgen, sondern durch die Wirklichkeit selbst.

 

So wurden die Kritiker ungewollt Teil jener Glaubensgeschichte,

die Müller schreiben wollte.

Denn mit jedem weiteren Jahr wurde deutlicher, dass das erwartete Scheitern ausblieb.

Die Waisenhäuser bestanden weiter, die Kinder wurden versorgt

und das Werk wuchs.

Gerade weil so viele Menschen an seinem Vorhaben zweifelten,

trat die eigentliche Frage immer stärker hervor:

Kann man den Verheißungen Gottes vertrauen?

 

In gewisser Weise erinnert Müllers Weg an die Glaubenszeugen der Bibel.

Wie Abraham auf den verheißenen Sohn wartete,

wie Nehemia unter dem Spott seiner Gegner die Mauern Jerusalems wieder aufbaute und wie Elia in Zeiten des Mangels auf Gottes Versorgung vertraute,

so hielt auch Müller an den Zusagen Gottes fest, obwohl die äußeren Umstände oft dagegen sprachen.

 

Sein Ziel war dabei nie die Errichtung großer Gebäude.

Die Waisenhäuser waren für ihn nicht das eigentliche Werk.

Sie waren vielmehr sichtbare Zeichen für eine unsichtbare Wirklichkeit.

Was Müller beweisen wollte, war nicht die Stärke seines Glaubens,

sondern die Treue Gottes.

Darum liegt die bleibende Bedeutung seines Lebens nicht allein in den Tausenden von Kindern,

denen geholfen wurde.

Sein eigentliches Vermächtnis ist die Frage,

die aus seinem Leben bis heute an Christen gerichtet wird: Sind die Verheißungen Gottes lediglich Gegenstand der Predigt,

oder sind sie tragfähig genug, um ein Leben darauf zu bauen?

 

Für George Müller war die Antwort eindeutig.

Sein ganzes Leben wurde zu einem Zeugnis dafür,

dass Gottes Zusagen nicht nur gehört, sondern auch gewagt werden dürfen.

Die Waisenhäuser von Bristol waren letztlich nicht das Wunder.

Das eigentliche Wunder war ein Mensch,

der die Worte Jesu ernst nahm und den Mut hatte,

sein Leben darauf zu gründen.

Ich habe es gewagt, zu meinem Herrn zu reden,

obwohl ich Staub und Asche bin.

                            1. Mose 18,27

 

Nach Müllers Tod im Jahr 1898 bestand das Werk zunächst fort. Die Waisenhäuser auf Ashley Down in Bristol arbeiteten weiter, weil Müller von Anfang an darauf geachtet hatte, dass das Werk nicht von seiner Person allein abhängig war. Es gab eine organisierte Verwaltung, Mitarbeiter und eine tragfähige Struktur. Seine Nachfolger führten die Einrichtungen weiter.

Allerdings veränderte sich die Welt. Das England des 20. Jahrhunderts war nicht mehr das England der Choleraepidemien und der frühen Industrialisierung. Staatliche Sozialfürsorge, Schulwesen und Jugendhilfe entwickelten sich zunehmend. Die riesigen Waisenhäuser, die im 19. Jahrhundert als vorbildlich galten, wurden später kritischer betrachtet. Man erkannte, dass Kinder oft besser in kleineren familienähnlichen Gemeinschaften aufwachsen als in großen Heimen.

So wurden die gewaltigen Gebäude von Ashley Down nach und nach ihrer ursprünglichen Funktion entfremdet. Einige dienten zeitweise als Ausbildungsstätten und Bildungseinrichtungen. Während des Zweiten Weltkriegs wurden Kinder teilweise ausgelagert, um sie vor Bombenangriffen zu schützen. Im Laufe der Jahrzehnte wandelte sich die Arbeit immer stärker.

Interessanterweise verschwand damit nicht Müllers Werk, sondern es veränderte seine Gestalt. Die heutige Organisation trägt den Namen George Müller Charity und arbeitet weiterhin in Bristol. Sie betreut heute jedoch nicht mehr riesige Waisenhäuser wie im 19. Jahrhundert, sondern unterstützt Kinder, Jugendliche und Familien in schwierigen Lebenssituationen. Der Schwerpunkt verlagerte sich von der Versorgung von Waisen hin zur Begleitung und Förderung von Familien, Pflegekindern und benachteiligten jungen Menschen.

Vielleicht liegt darin sogar eine gewisse Konsequenz von Müllers eigenem Denken. Denn sein eigentliches Ziel waren nie die Gebäude. Wäre das Ziel die Errichtung von Waisenhäusern gewesen, dann hätte sein Werk mit dem Ende dieser Heime aufgehört. Sein Ziel war jedoch, Gottes Liebe für Kinder sichtbar zu machen und Gottes Fürsorge glaubwürdig zu bezeugen. Die Form hat sich verändert, das Anliegen blieb.

 

 

 

Die Geschichte George Müllers beweist nicht,

dass jede Generation dieselben Mittel verwenden muss.

Die großen Waisenhäuser seiner Zeit gehören weitgehend der Vergangenheit an.

Doch die Frage, die ihn bewegte, ist geblieben.

Noch immer steht jede Generation vor der Entscheidung, ob sie Gottes Verheißungen als Erinnerung an vergangene Zeiten betrachtet oder als lebendige Zusagen für die Gegenwart. Die Gebäude von Ashley Down sind nicht das eigentliche Vermächtnis George Müllers. Sein Vermächtnis ist das Vertrauen, dass Gottes Treue größer sein kann als die sichtbaren Möglichkeiten des Menschen.

Das hätte vermutlich auch Müller selbst unterschrieben. Denn für ihn waren die Waisenhäuser nie das Ziel, sondern nur die Bühne, auf der Gottes Verheißungen sichtbar werden sollten.

Morgen Gebet

 

Jesus,

 

dieser Tag kommt von Dir.
 

Du schenkst Leben, Zeit und Begegnungen.
 

Lass Deine Liebe spürbar werden in allem, was mir heute begegnet —
in meinen Worten, in meinem Handeln und in meinem Herzen.

Du bist der Halt auf meinem Weg.
 

Schenke mir Vertrauen, wenn ich unsicher bin,
 

Ruhe, wenn Unruhe mein Herz erfüllt,
und Hoffnung, die weiterträgt.

 

Lass Deine Gegenwart auch in meiner Umgebung sichtbar werden,
 

damit Frieden wächst, wo Menschen einander begegnen.

Sei Du Trost für die Müden,
Kraft für die Schwachen
und Licht für alle, die Angst vor der Zukunft haben.

 

Schenke denen Zuversicht, die sich sorgen,
und öffne Wege, wo Menschen keinen Ausweg sehen.

Sei nahe den Angefochtenen, den Einsamen und den Kranken.
 

Stärke alle, die schwere Lasten tragen.
 

Und werde Du selbst zum verbindenden Band im Miteinander —
in unseren Familien, in unseren Gemeinden und überall dort,
wo Verständnis, Geduld und Liebe gebraucht werden.

Segne diesen Tag.
 

Bewahre uns in Deiner Hand
und führe uns auf Wegen des Friedens.

 

                    In Jesu Namen.

                            Amen.

Montag, 05.10.2026

Ich habe es gewagt, zu meinem Herrn zu reden, obwohl ich Staub und Asche bin.

1. Mose 18,27

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