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Das Motto unserer Gemeinschaft

 

Gut, dass wir einander haben,

gut, dass wir einander sehn,

Sorgen, Freuden, Kräfte teilen

und auf einem Wege gehn.

Gut, dass wir nicht uns nur haben,

dass der Kreis sich niemals schließt

und dass Gott, von dem wir reden,

hier in unsrer Mitte ist.

Manfred Siebald

 

Wer mehr erfahren möchte ist herzlich Willkommen!

 

Unsere Website bietet....

 

Einen Überblick über das aktuelle Gemeinschaftsgeschehen

Veranstaltungen zum kommen, mitfeiern und miterleben

Gelegenheit zum verweilen, zuhören, nachdenken und entschleunigen

christliche Impulse zum kirchlichen Jahreslauf,

laufende Aktualisierung. 

 

 

Betrachtung zur Jahreslosung 2026

„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.“

(Offenbarung 21,5)

 

1.Einstieg: Wenn Vergangenes auf uns lastet

Jede und jeder von uns kennt diese Stunden, in denen das Vergangene schwer auf den Schultern liegt: Erlebnisse, die schmerzen, Gewohnheiten, die uns hemmen, Ängste, die uns klein halten. Hinzu kommt manchmal die Weltlage, die uns bedrückt und ratlos macht.

In solche Momente spricht Gott ein Wort, das weiter reicht als unser eigenes Vermögen: „Siehe, ich mache alles neu.“

Gott sagt nicht: Ich renoviere neu.       

Gott sagt nicht: ich übertünche alles.
Gott sagt nicht: Ich mache alles anders.

 

Nicht: „Mach dich selbst neu.“

Nicht: „Strenge dich mehr an.“

Sondern: „Ich mache.“

Ein Satz, der die Schwere anerkennt, ihr aber nicht das letzte Wort lässt.

2. Der Kontext: Ein Wort aus Gottes Zukunft für unser Heute

Die Offenbarung ist kein Buch der Flucht, sondern eines des Trostes. Sie richtet sich an Menschen, die unter Druck stehen, die verunsichert und erschöpft sind. An Personen, die sich fragen: Bleibt Gott uns treu? Trägt seine Zusage? Gibt es eine Zukunft?

Mitten in diese Unsicherheit spricht der auf dem Thron: „Siehe, ich mache alles neu.“ Ein Wort aus der göttlichen Vollendung, das schon heute Kraft entfalten will. Ein Wort, das nicht an der Gegenwart vorbeigeht, sondern sie durchstrahlt.

3. Das Neue hat schon begonnen: Christus schafft neue Schöpfung

Paulus bringt es auf den Punkt: „Ist jemand in Christus, dann ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.“ (2. Korinther 5,17)

Das Neue ist nicht erst in ferner Zukunft sichtbar. Es beginnt im Innersten, dort, wo Christus einzieht. Wo Menschen sich ihm öffnen, Vergebung geschieht, Mut wächst und jemand wieder aufsteht. Gott erneuert nicht erst irgendwann – er erneuert heute.

4. Erneuerung im Alltag: Wenn unser Äußeres ermüdet

Paulus kennt die Realität: Unser äußeres Leben vergeht – körperlich, seelisch, manchmal auch gesellschaftlich. Doch er sagt: „Der innere Mensch wird Tag für Tag erneuert.“

(2. Korinther 4,16)

Das ist die tägliche Zusage: Gott trägt. Christus bleibt. Der Heilige Geist gibt Kraft. Gerade dann, wenn es eng wird. Gerade dann, wenn wir keine Lösung mehr sehen. Gottes Erneuerung ist kein lautes Feuerwerk, sondern ein leiser, beständiger Prozess. Ein Hauch von Hoffnung. Ein Funke Mut. Ein Schritt, der gelingt, obwohl wir es nicht mehr erwartet hätten.

5. Die große Vollendung: Was Gott neu macht, bleibt für immer

Die Offenbarung öffnet uns den Blick auf das Ziel: Gott wird richten, heilen und vollenden. Er spricht: „Es ist geschehen! Ich bin das A und das O.“

Er, der die Welt geschaffen hat, führt sie auch zu ihrem Ziel. Den Durstigen gibt er Wasser des Lebens umsonst. Den Überwindenden nennt er sein Kind. Er schafft eine Welt, in der das Alte keine Macht mehr hat.

Und er benennt klar, was sich seiner Liebe widersetzt – nicht als Drohung, sondern um zu zeigen: Das Neue Gottes ist heilig, wahrhaftig, gerecht und frei von allem, was zerstört.

6. Im Heute das Neue leben: Zwischen Verheißung und Alltag

Wir leben zwischen zwei Polen: dem endgültigen Neuen, das Gott schaffen wird, und dem Neuen, das er heute in uns bewirkt. Wir werden vom Sohn getragen, vom Geist erneuert, von der Treue des Vaters gehalten.

So begleitet uns die Jahreslosung durch das Jahr: „Siehe, ich mache alles neu.“ Es ist ein Satz für die Müden, die Hoffenden, die Ratlosen, die an ihrem Glauben zweifeln. Ein Satz, der sagt: Gott bleibt nicht fern.

Er bleibt der Schöpfer, bleibt treu, bleibt an unserer Seite – bis Alles neu geworden ist.

7. Abschluss: Ein Gebet

Gott, du Ursprung und Ziel, du kennst unser Leben, unsere Begrenzungen, unsere Müdigkeit.

Sprich dein Wort des Neuanfangs in unsere Tage. Erneuere uns durch deinen Geist.

Stärke uns durch deinen Sohn. Lass uns schon heute aus dem Licht deiner kommenden Welt leben.

Amen.

 

Betrachtung zum Monatsspruch Februar 2026

„Du sollst fröhlich sein über alles Gut, das der HERR, dein Gott, dir und deinem Hause gegeben hat.“ (5. Mose 26,11)

Der Dreiklang des Lichts in herausfordernden Zeiten

In Zeiten, in denen das Licht des Glaubens nicht mehr selbstverständlich scheint und die Worte des Evangeliums in den Hintergrund treten, ist es umso wichtiger, an den Wurzeln des Glaubens festzuhalten.

Unsere Gegenwart wird oft als „postchristlich“ bezeichnet, der Glaube an Christus gilt als „uncool“ und scheint der Vergangenheit anzugehören.

Gerade dann kommt es auf diejenigen an, die bleiben – den „Rest“, wie Psalm 12 sagt:

„Hilf, HERR! Die Heiligen haben abgenommen, und treu sind nur noch wenige unter den Menschenkindern.“

Das innere Leuchten, das der Heilige Geist schenkt, gilt es zu bewahren – nicht laut und kämpferisch, sondern klar und ausstrahlend.

Drei biblische Stimmen begleiten uns als Dreiklang:

  • Gegen die Gleichgültigkeit

  • Gegen die Selbstverständlichkeit

  • Gegen das Verblassen

1. Gegen die Gleichgültigkeit

„Du sollst fröhlich sein über alles Gut, das der HERR, dein Gott, dir und deinem Hause gegeben hat.“ (5. Mose 26,11)

Die Bibel ist zeitlos und ein Hinweisbuch für alle Lebensbereiche.

Sie spricht alle Nationen und jeden Einzelnen an.

Gleichgültigkeit entsteht nicht aus Bosheit, sondern aus Gewohnheit. Das Gute wird gesehen und genossen und erscheint irgendwann als selbstverständlich.

Der Monatsspruch erinnert uns an die Fähigkeit zu staunen – nicht zu denken „Ich habe es verdient“, sondern „Ich habe es empfangen“.

Dankbarkeit ist kein Imperativ, sondern ein Weg, den Glanz des Unvergänglichen zu erkennen. Sie öffnet die Augen für das, was schon da ist, und führt zur Freude.

2. Gegen die Selbstverständlichkeit

„Wenn du gegessen hast und satt geworden bist, dann sollst du den HERRN, deinen Gott, loben für das gute Land, das er dir gegeben hat.“ (5. Mose 8,10)

Selbstverständlichkeit ist eng verbunden mit Vergesslichkeit. Sie macht den Geber unsichtbar.

Sattwerden ist niemals selbstverständlich, auch wenn vieles technisch gesichert scheint – innerlich geht dennoch etwas verloren.

Loben bedeutet, das Alltägliche als Geschenk zu sehen. Nicht nur das Besondere, sondern das Brot auf dem Tisch ist der wahre Grund zum Dank. Wer lobt, bewahrt sein Herz vor dem Erkalten.

Es ist nicht selbstverständlich, in unserem reich gesegneten Land zu leben.

3. Gegen das Verblassen

„Freut euch im Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freut euch!“ (Philipper 4,4)

Paulus spricht nicht von oberflächlicher Fröhlichkeit. Seine Freude ist keine Stimmung, sondern eine Quelle, die aus der Verbindung zu Gott und Jesus lebt. Diese Freude ist wie ein inneres Feuer, das auch in kälter werdenden Zeiten nicht erlischt. Sie ist leise, aber tragfähig; nicht euphorisch, aber beständig.

Der Dreiklang des Lichts

  • Dankbarkeit gegen die Gleichgültigkeit.

  • Lob gegen die Selbstverständlichkeit.

  • Freude gegen das Verblassen.

Drei Haltungen, die den „Glanz des Unvergänglichen“ formen.

Drei Wege, wie Glaube in nüchternen Zeiten wieder leuchten kann. Drei kleine Lichter, die – wenn sie brennen – andere anstecken.

Der „Rest“ der Heiligen aus Psalm 12 ist kein trauriger Restposten, sondern Lichtträger.

Nicht durch Macht, sondern durch Treue. Nicht durch Lautstärke, sondern durch Ausstrahlung. Nicht durch Perfektion, sondern durch ein Herz, das sich immer wieder neu ausrichtet.

Schlussgedanke

„Der Glanz des Unvergänglichen zeigt sich nicht in großen Gesten, sondern in einem Herzen, das dankt, lobt und sich freut. Wer so lebt, wird selbst zu einem Licht – gerade in einer Zeit, in der das Licht zu verblassen scheint.“

Gerade in einem Umfeld, das dem Glauben kritisch gegenübersteht, können kleine Akte der Freundlichkeit und des Vertrauens besonders kraftvoll sein. So wird jeder Einzelne von uns zum Teil dieses leisen, aber beständigen Lichts, das Hoffnung und Zuversicht in unsere Gesellschaft trägt.

Amen

Betrachtung zur Passionszeit

Die letzten Spuren von Weihnachten sind verschwunden. Stattdessen bestimmen Fasching, Fasnacht und Fasnet den öffentlichen Raum. Was dabei fast unbemerkt bleibt, ist der Beginn der Passionszeit – und die geistliche Bedeutung, die zwischen diesen beiden Ereignissen liegt. In unserer postchristlichen Gesellschaft tritt sie immer weiter in den Hintergrund.

Wir leben in einer säkularen Welt, in der viele christliche Feste umgedeutet wurden: kulturell, humanistisch, ideologisch. Wegfallen sollen sie nicht – schließlich sind sie arbeitsfreie Tage. Doch ihre ursprüngliche Bedeutung ist vielen fremd geworden. Auch die Theologie der letzten Jahrzehnte hat manches entkernt und entkräftet.

Gerade deshalb ist es wichtig, dass es Gemeinden gibt, die die biblische Lehre klar und zugleich ohne Lautstärke vertreten. Diese Reihe möchte einen Beitrag dazu leisten. Sie soll erklären, was die Passionszeit bedeutet – und warum sie heute vielleicht nötiger ist als je zuvor.

„Passion“ ist kein Begriff, den man „mal eben so“ erklärt. Er ist sprachlich verschoben, kulturell überlagert und geistlich missverständlich geworden. Gleichzeitig trägt er eine Tiefe, die heute neu entdeckt werden kann.

Warum verstehen viele Menschen den Begriff kaum noch?
Weil sich unser geistiges und geistliches Koordinatensystem verschoben hat.

Viele verbinden „Passion“ mit :

  • einem Theaterstück

  • einer musikalischen Aufführung

  • einem historischen Ereignis

  • einem religiösen Ritual

  • einer Leidenschaft

Der Begriff ist kulturell geblieben, aber geistlich entkernt.

Denn kaum jemand verbindet ihn noch mit der eigenen Existenz, dem eigenen Glauben, und eigener Lebensdeutung.

Doch die biblische Grundlage der Passion ist von entscheidender Bedeutung – für das Leben und Sterben jedes Menschen, der Orientierung und Halt sucht. Die Jünger Jesu verstanden damals wenig, obwohl Jesus ihnen seine Passion mehrfach erklärte. Und auch heute ist es nicht viel anders. Zwei Jahrtausende Lehr- und Erfahrungszeit haben daran wenig geändert.

Vielleicht kann diese Reihe ein wenig Licht ins Dunkel bringen.

Die Passionsgeschichte

Was Passion ursprünglich meint

Der Begriff „Passion“ stammt aus dem Lateinischen passio und bedeutet „Leiden“ – aber noch genauer: das Erdulden, sich ausliefern, geschehen lassen. Gemeint ist nicht ein aktives Handeln, sondern das Öffnen für etwas, das außerhalb der eigenen Kontrolle liegt.

Passion ist kein Tun, sondern Hingabe. Darum spricht Jesus selbst von seiner „Passion“ – nicht als Ankündigung eines Leidens, sondern als bewusste Hingabe.

Er begegnet seinem Weg nicht als bloßes Schicksal, sondern als Sendung: als Auftrag aus Gottes Herrlichkeit hinein in die Tiefen einer Welt voller Not, Gewalt und Krieg.

Jesu Leiden war somit von Anfang an Programm – nicht nur am Kreuz, nicht nur in Gethsemane, sondern vom allerersten Moment seines Lebens an.

Die Passionszeit ist eine Zeit, in der wir uns an das Leben und das Leiden Jesu auf dieser Erde erinnern. Sie beginnt nicht mit lauten Ereignissen, sondern mit einem sanften Übergang.

Weihnachten erzählt von Gottes Ankunft in der Welt, die Passion davon, wie Gott in Jesus den Weg durch diese Welt geht und sie schließlich verlässt. Zwischen Ankunft und Abschied liegt das gesamte Spektrum menschlicher Existenz.

Philipper 2,6-9 (Sinngemäß)

„Er, der es nicht nötig gehabt hätte, wurde Mensch, wurde Knecht, ließ sich demütigen.“ Paulus bringt es treffend auf den Punkt: Jesus Christus – Gott gleich – sah seine Menschwerdung nicht als Schicksal, sondern als Sendung.

Aus freiem Willen verließ er Gottes Herrlichkeit und wurde Mensch – eine Entscheidung, die unser Vorstellungsvermögen übersteigt.

Ein Mensch von Anfang an

Die Passion beginnt schon im Mutterleib.

Noch vor dem Stall von Bethlehem beginnt Jesu Weg der Verletzlichkeit. Maria, im dritten Monat schwanger, macht sich auf den beschwerlichen Weg durchs Gebirge zu Elisabeth. Später folgt, hochschwanger, der anstrengende Marsch zur Volkszählung nach Bethlehem.

Heute wissen wir: Solche Strapazen hinterlassen bereits Spuren bei einem ungeborenen Kind. Die Geburt selbst gilt als „erste Passion“ des Menschen. Um als Mensch unter Menschen zu leben, beginnt Jesu Weg mit allem, was menschliches Leben ausmacht – und das beginnt mit der Geburt.

Ein entscheidender Unterschied: Jesus wurde von einer Jungfrau geboren.

Die Geburt als „erste Passion“ (Leiden)

Die Geburt ist ein starkes Bild für Passion, denn sie ist:

  • extrem, aber nicht traumatisch,

  • lebensbedrohlich und zugleich lebensspendend,

  • unbewusst und doch prägend,

  • ein Übergang, der sich unserer Kontrolle entzieht.

Geboren unter schwierigen Umständen

Kaum unter widrigen Verhältnissen geboren, ist Jesus bedroht: Ein Gewaltherrscher trachtet ihm nach dem Leben.

Die Flucht nach Ägypten beginnt. Sein Leben startet mit Angst – lange bevor die Welt überhaupt von ihm erfährt. Schon im Unbewussten sammeln sich Erfahrungen, die alles Vorstellbare übersteigen.

Weihnachten ist darum kein harmloses Idyll. Es markiert vielmehr den Beginn eines Weges, der von Anfang an durch die Schatten dieser Welt führt.

Gott wird nicht in eine heile Welt hineingeboren, sondern mitten in unsere Brüche, Unsicherheiten und Konflikte.

Fortsetzung folgt

 

Die verborgenen Jahre Jesu

 

1. Die lange Stille nach Ägypten

Nach der Rückkehr aus Ägypten wird es still um Jesus. Über seine Kindheit und Jugend wissen wir erstaunlich wenig – und das ist vermutlich Absicht. Gott schafft eine verborgene Zeit, in der Jesus wächst, lernt und reift, ohne Öffentlichkeit, ohne Wunder, ohne Bühne.

Er wird in der Thora unterrichtet, lebt ein jüdisches Alltagsleben in einer frommen Familie. Josef und Maria nehmen Gottesdienste, Feste und Pilgerreisen ernst; sie reisen jedes Jahr zum Passahfest nach Jerusalem. Diese Umgebung prägt Jesus auch menschlich.

2. Normale Entwicklung – gewollt von Gott

Die Evangelien zeigen: Gott überspringt bei Jesus nicht die normale menschliche Entwicklung. Lukas fasst diese Jahre in einem Satz zusammen:

„Und Jesus nahm zu an Weisheit und Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.“

Jesus ist kein „fertiger Übermensch“, sondern wächst – geistig, körperlich, geistlich, sozial. Gott selbst hält diese unspektakuläre Zeit für wichtig. Das wertet auch unsere unscheinbaren Jahre, Routinen und Alltage auf.

3. Auffälliges inmitten der Normalität

Trotz der Normalität blitzt immer wieder etwas Besonderes auf:

  • Mit zwölf sitzt Jesus im Tempel „mitten unter den Lehrern“, hört zu, stellt Fragen – und alle staunen über sein Verständnis (Lukas 2,46).

  • Und als sich die Tage vollendet hatten und wieder heimkehrten, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem.

  • Und als seine Eltern ihn fanden, sprach er zu ihnen: Weshalb habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?

  • Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen, doch verstanden hatte sie es nicht.

  • Später in Nazareth „entsetzten sie sich über seine Lehre“ (Markus 1,22). Man merkt: Da ist mehr als nur „der Zimmermann“.

Doch dieses Besondere wächst nicht im Rampenlicht, sondern in Treue im Kleinen: Familie, Arbeit, Gottesdienst, Gehorsam.

„Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen gehorsam.“ (Lukas 2,51)

4. Familie und Alltag

Jesus wächst in einer großen Familie auf:

„Ist dieser nicht der Sohn des Zimmermanns? … und seine Brüder Jakobus und Joses und Simon und Judas?“ (Matthäus 13,55–56)

Josef ist Zimmermann, Jesus wird selbst „Zimmermann“ genannt (Markus 6,3). Er arbeitet also ganz normal. Die Familie ist gesetzestreu und pilgert jährlich nach Jerusalem (Lukas 2,41).

5. Das eine Jugendereignis – ein Fenster in die verborgenen Jahre

Die Tempelszene mit zwölf Jahren ist kein einmaliger Sonderfall, sondern ein herausgegriffenes Beispiel. Sie zeigt, wie Jesus in dieser Zeit wächst:

  • in Charakter

  • in seiner Beziehung zu Gott

  • im Umgang mit Menschen

  • mitten im normalen Familienleben

Diese verborgene Zeit endet erst, als Jesus öffentlich auftritt.

 


 

Passion – Jesus vor dem öffentlichen Wirken

Bevor Jesus öffentlich auftritt, bevor er predigt, heilt, berührt, ruft und sammelt, steht eine Zeit, die fast niemand sieht: eine Zeit der Verborgenheit. Jahre des Wachsens, des Hörens, des inneren Reifens. Und selbst nach dieser langen Vorbereitung tritt er nicht sofort in die Öffentlichkeit. Der Heilige Geist führt ihn zuerst an einen Ort, der alles andere als geeignet scheint, um ein Wirken zu beginnen: in die Wüste.

Die Wüste ist kein romantischer Rückzugsort. Sie ist ein Raum der Entblößung. Ein Ort, an dem alles Überflüssige verschwindet und nur das Wesentliche bleibt. Dort fastet Jesus vierzig Tage und Nächte. Es ist gut denkbar, dass er sich in der Nähe einer Oase aufhielt – denn der Mensch kann lange ohne feste Nahrung leben, aber nicht ohne Wasser. Und selbst beim Fasten braucht der Körper eine minimale Hygiene, um nicht zu verfallen. Jesus fastet nicht als asketische Leistung, sondern als Ausdruck völliger Hingabe an den Willen des Vaters.

In dieser lebensfeindlichen Umgebung, fern von menschlicher Nähe, fern von Sicherheit, entsteht eine Gottesnähe, die später viele Mystiker suchten. Die Wüste ist ein Ort, an dem Gott spricht – aber auch ein Ort, an dem der Mensch mit sich selbst konfrontiert wird. Mit seinen Grenzen. Mit seinen Sehnsüchten. Mit seinen Ängsten. Mit seiner Berufung.

Und dort, in dieser Einsamkeit, begegnet Jesus einer uralten Geschichte: der Geschichte von Adam und Eva. Denn die Wüste ist nicht nur ein geografischer Ort, sondern ein geistlicher Raum. Ein Raum, in dem die Menschheitsgeschichte noch einmal aufscheint.
Wie damals im Garten Eden tritt der Versucher an den Menschen heran. Damals begann es mit einer Frage, die Vertrauen untergrub: „Sollte Gott wirklich gesagt haben…?“ (1.Mose 3,1ff)
Und so ähnlich beginnt es auch hier.

Nach dem Fastenbrechen, wenn der Magen wieder zu arbeiten beginnt und der Hunger mit Macht zurückkehrt, tritt der Versucher an Jesus heran. Doch diesmal weiß er: Dies ist ein anderer Gegner. Kein Mensch, der sich selbst überschätzt. Kein Mensch, der sich verführen lässt, weil er mehr sein will, als er ist. Hier steht der, der ganz Mensch und ganz Gott ist.

Der Versucher setzt direkt an:
„Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich, dass diese Steine Brot werden.“ (Matthäus 4,3)

Auffällig: Er spricht nicht den Durst an. Obwohl Durst in der Wüste lebensbedrohlicher ist als Hunger. Der Versucher weiß genau, wo er ansetzen muss: beim elementarsten Bedürfnis des Menschen. Beim Essen.
Wir Menschen der Gegenwart wissen kaum noch, was wirklicher Hunger bedeutet. Aber Jesus weiß es. Er spürt es. Und gerade deshalb ist diese Versuchung so real.

Doch Jesus antwortet nicht aus Trotz. Nicht aus Stolz. Sondern aus Vertrauen:
„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“
Er weiß: Körperliches Wohlbefinden ist nicht alles. Es gibt ein tieferes Leben, das aus dem Wort Gottes kommt.

Die zweite Versuchung zielt auf religiöse Selbstinszenierung. Der Versucher führt Jesus auf die Zinne des Tempels und sagt:
„Stürze dich hinab – denn es steht geschrieben…“
Hier wird die Schrift missbraucht. Der Versucher zitiert sie, aber er verdreht ihren Sinn.
Es ist die Versuchung, Gott zu benutzen. Ihn zu testen. Ihn zum Erfüllungsgehilfen der eigenen Wünsche zu machen.
Jesus verweigert sich. Er kennt den Vater. Er weiß, dass Liebe keinen Beweiszwang braucht.

Die dritte Versuchung schließlich ist die, der kaum ein irdischer Machthaber widerstehen würde:
Alle Reiche der Welt – gegen einen einzigen Akt der Anbetung.
Hier zeigt der Versucher sein wahres Gesicht. Es geht um Macht. Um Herrschaft. Um die Frage: Wer bestimmt über die Welt? Und über das Leben?

Wie im Garten Eden geht es um drei Dinge:

  • um Nahrung
  • um Gottesgleichheit
  • um die Frage, wem der Mensch vertraut

Damals gab es noch keine Reiche zu gewinnen – und doch haben Menschen sich dem Versucher zugewandt.
Aber Jesus ist ein anderer Gegner.

Auch dies gehört bereits zur Passion: ein Leiden.
Nicht körperlich – noch nicht.
Aber innerlich.
Die Einsamkeit.
Die Versuchung.
Die Erfahrung, dass die finstere Macht nicht mit offenen Karten spielt.
Und das Wissen, dass er nicht verstanden werden wird.

Trotzdem geht Jesus diesen Weg.
Er geht ihn für uns.
Er geht ihn, um die Menschheit dorthin zurückzuführen, wo Adam und Eva hätten bleiben sollen: in das Vertrauen auf Gott.
Er geht ihn, um die Erlösung zu bringen – nicht durch Macht, sondern durch Hingabe.

 

Einfach zurück lehnen Augen zu und zuhören 

Mittwoch, 18.02.2026

HERR, lass mir deine Gnade widerfahren, deine Hilfe nach deinem Wort.

Psalm 119,41

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